Das Bügeleisenhaus

Geschichte des Hauses
Knaggen und Balkenköpfe


Geschichte des Hauses

Das Bügeleisenhaus ist eines der Wahrzeichen der Hattinger Altstadt und weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Seinen Namen erhielt es wegen des spitz zulaufenden Grundrisses. Wie der Hausbalken über der Tür bezeugt, wurde das Haus im Jahre 1611 gebaut - in unmittelbarer Nähe des Rathauses am Ausgang des Haldenplatzes. Mit seinem Giebel zeigt es zur ehemaligen Fernhandelsstraße, der Großen Weilstraße, die die Stadt vom Bruchtor zum Weiltor durchzog. Es liegt daher nahe, zu vermuten, daß der Bauherr Wilhelm Elling dem Hattinger Kaufmannsstand angehörte. Über dem Eingang ist das Familien- oder Hauszeichen der Familie Elling zu sehen, das der Hausherr mit seinen Namens-Initialen W und E verbunden hat. Die Inschrift des Hausbalkens wählte der Bauherr mit Bedacht: Feuersbrünste waren zu jener Zeit eine ernste Gefahr, doch auch Neid und Mißgunst konnten den Hausfrieden empfindlich stören.

Türbalken

BEHEVTE MICH HER FVR FEWR VND BRANDT
WILHEL ELLINGS HAVSZ BIN ICH GENANDT -
ALLE DIE MICH KENNEN DEN GEBE GOTT
WAS SIE MIR GVNNEN ANNO 1611
Türbalken des Bügeleisenhauses

Den Bewohnern des Bügeleisenhauses bot sich nur wenig Komfort. In der Eingangshalle gab es als einzige Wärmequelle eine offene Herdstelle, der Rauch zog durch die Fenster ab. Schmutzwasser wurde über die Gosse vor dem Hause entsorgt. Neben der Halle gab es nur den Wohnraum über dem Gewölbekeller und das Obergeschoß, dessen Fensteröffnungen von Holzläden verschlossen wurden.

Um 1630 entstand durch einen Anbau an der Giebelseite neuer Raum. Der alte Giebel wurde zur Innenwand - dies erklärt die innenliegenden Fenster und Knaggen. Auch der Brunnen, ursprünglich vor dem Hause gelegen, konnte nun wohl von innen und außen bedient werden. Er ist mehr als sechs Meter tief und führt noch heute klares Grundwasser.

In der nachfolgenden Zeit gelangte das Haus in den Besitz verschiedener Tuchmacherfamilien, die hier Wohnung und Werkstatt hatten. Mit dem Niedergang der Hattinger Tuchfabrikation und der Gründung der Henrichshütte 1853 verschwanden die Webstühle wieder - nun wurde eine Metzgerei im Bügeleisenhaus eingerichtet.
Salomon Schmidt erwarb das Haus 1856 von dem Tuchweber Franz Sindern und führte sogleich eine Modernisierung durch. Aus dieser Zeit stammt das Treppenhaus, die Trennwand in der Eingangshalle und das Ladenfenster der Metzgerei. Am Giebel wurde ein kleiner Pferdestall angebaut.

Schmidts Tochter und ihr Mann, der Metzger Cahn, vermieteten das Bügeleisenhaus als Wohnhaus. Ihre Erben wurden von den Nationalsozialisten enteignet und deportiert. Sie gelten als verschollen. 1945 übernahm die Jewish Trust Corporation das inzwischen sehr baufällig gewordene Haus. Der Abbruch schien 1953 unvermeidlich. Auf Initiative des Kreisheimatpflegers Dr. Eversberg konnte es 1955 vom Heimatverein Hattingen-Ruhr e.V. erworben und mit Hilfe von Mitteln des Landeskonservators als erstes Fachwerkhaus der Hattinger Altstadt restauriert werden. 1962 wurde hier ein kulturgeschichtliches Museum eingerichtet.

 

Hauszeichen
Hauszeichen

 

 

 

 

 

 

 

Ansicht 1950
um 1950

Ansicht heute
heute

 

Knaggen und Balkenköpfe

An vielen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkbauten Hattingens sind kunstvoll geschnitzte Knaggen zu bewundern: hölzerne Streben, die ein vorkragendes Obergeschoß abstützen.
Die Häuser in der Altstadt standen seit jeher dicht aneinander gedrängt. Die Gassen ließen gerade genug Platz für Ernte- und Kaufmannswagen. Wohnraum war äußerst knapp. Mit Hilfe der Knaggen-Konstruktion konnte im Inneren der Fachwerkhäuser zusätzlicher Raum gewonnen werden. Die Gassen wurden einfach überbaut.

Ältere Knaggen sind meist einfach gekehlt, man findet sie um 1550 stark abgefast und mit Querriefen versehen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts treten verstärkt Volutenknaggen auf. An der Schauseite eines Gebäudes waren die Knaggen meist aufwendiger gestaltet als an den anderen Seiten. Das Bügeleisenhaus hat zwei Schauseiten, bedingt durch seine Lage an der Kreuzung zweier wichtiger Verbindungswege. Die ursprüngliche Giebelfront von 1611, die heute im Hausinneren liegt, zeigt Knaggen, die mit Fratzen verziert sind.

Der Anbau von 1630 hat einen leicht veränderten Baustil. Dies ist an der Traufseite gut zu erkennen. Während die älteren Knaggen des rechten Gebäu-deteils einfach gekehlt und mit Flachschnitzereien versehen sind, wurden am jüngeren Anbau Volutenknaggen angebracht und die Balkenköpfe mit Maskenschnitzereien verziert.

Knagge

Balkenkopf